Sie leben oft allein, freuen sich über Gespräche und Abwechslung. Aufgrund ihres Lebensalters und/oder einer Erkrankung sind sie schlichtweg überfordert, den Tätern gegenüber energisch aufzutreten oder das abgegebene Preisangebot im Hinblick auf die erbrachte Leistung realistisch zu beurteilen. Wenn man körperlich nicht mehr so fit wie früher, kann die Selbstsicherheit leiden.
Die Täter halten Senioren für weltfremd, hilflos, ängstlich und vergesslich. Sie gehen davon aus, dass die Kritikfähigkeit im Alter nachlässt und dass ältere Menschen in Stresssituationen, wie künstlich geschaffener Zeitdruck, nicht so reagieren können, wie Jüngere. Und Trickbetrüger können gut schauspielern. Und bei Alleinlebenden gibt es auch nur einen Zeugen.
Joachim Ludwig, Kriminalhauptkommissar in Köln, hat in einem Bericht über den demografischen Wandel im Deutschen Polizeiblatt (DPolBl) 06/2009 dazu Stellung genommen. Zitatanfang:
"Senioren werden nur selten Opfer von Gewalttaten, sie werden eher durch Eigentums- und Vermögensdelikte geschädigt. Begünstigt wird dies durch ihre abnehmenden geistigen Fähigkeiten. Das nutzen Täter bewusst aus. Es fällt schwer sich zu konzentrieren, dem redegewandten Betrüger zu folgen. und gleichzeitig logisch und folgerichtig zu denken und zu handeln. Das kriminelle Ansinnen schnell zu durchschauen, lässt im Alter offenbar nach.
Die Opfer sind meist über 80 Jahre alt. Die mit dem Alter einsetzenden Veränderungen sind für Jüngere oft nicht nachvollziehbar.Die Gefühle, gebraucht zu werden, nicht nur zur Last zu fallen, nicht selbst helfen zu können, werden kriminell ausgenutzt.
Die Opfer sind nicht naiv, unwissend und dumm.
Sie haben sich in ihrem Leben oft zur Wehr gesetzt. Aber nicht mit 87 Jahren. Daher wird uns dies später auch passieren! Mit 80 Jahren sind wir körperlich und geistig nicht so fit wie heute. Auch wir werden älter! Auch wenn wir dies wahr haben wollen." Zitatende.
Denken wir mal zurück: Als Kinder und Jugendliche konnten wir bei lauter Musik konzentriert Hausaufgaben machen. Beim Autofahren konnten die Mitfahrer sprechen, Kinder nörgelten und die Musik lief. Und heute mag man besonders bei unbekannten Strecken kein Gerede und keine Musik, man kann sich nur auf das Fahren konzentrieren.
Sie tun dies durchaus nicht grundlos: Joachim Ludwig dazu:
Das ideale Opfer lebt allein, ist vertrauensvoll, hilfsbereit, vergesslich, kann schlecht sehen und deshalb kaum eine brauchbare Täterbeschreibung abgeben. Herkunft und Schulbildung der Opfer spielen dabei keine Rolle.
Was nützt vorbeugende Aufklärung?
Wenn man schon mal von den üblen Tricks der Ganoven gehört hat, erinnert man sich unbewusst, ein ungutes Bauchfefühl kommt und man ist eher geneigt "NEIN" zu sagen.