Datenschutzverstöße, fragwürdiger Kundenfang an Schulen und Psycho-Profile: Die Hamburger Sparkasse (Haspa) hat in den vergangenen Wochen eine ganze Reihe schlechter Schlagzeilen geschrieben. Jetzt kassiert sie für ihre zweifelhaften Methoden auch noch ein für Datenschutzverhältnisse hohes Bußgeld. Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar hat die Haspa zu 200.000 Euro Strafe verdonnert.
Ein Zeichen, damit gerade Bankkunden nicht zu gläsernen Kunden werden - das ist das Hauptargument für Johannes Caspar, die Hamburger Sparkasse zum höchsten Bußgeld zu verdonnern, das ein deutscher Datenschützer in diesem Jahr ausgesprochen hat. Denn seit Monaten mehren sich die Vorwürfe, dass die Sparkasse schludrig mit Kundendaten umgeht und sie vielmehr sogar nutzt und auswertet, um heimlich Psycho-Profile zu erstellen.
"Das ist ein Bußgeld-Verfahren mit einer hohen Relevanz", sagt Caspar - und entsprechend schöpfte er auch seine Sanktionsmittel aus. Noch heute will er den Bescheid zustellen lassen. Wochenlang hatte sich ein Anhörungsverfahren mit der Sparkasse hingezogen.
Die Haspa erklärte, das Institut wolle nicht nur die Psycho-Profile löschen. Mittlerweile habe sie auch eine technische Sperre eingebaut, sodass externe Berater keinen unberechtigten Zugriff mehr auf die Konten der Sparkassenkunden hätten.
ie rechtliche Grundlage war für Caspar jedoch von Beginn an eindeutig: Im Juli hatte NDR Info berichtet, dass externe Berater der Sparkasse an ihren Computern problemlos alle Kundenakten der Haspa-Kunden durchschauen können - das ist laut Gesetz nur erlaubt, wenn die Kunden auch einwilligen. Bei der Haspa spielten diese Einwilligungen offenbar keine Rolle. Insider erklärten, es sei Alltag, dass die externen Berater auf der Suche nach neuen Finanzgeschäften sämtliche Konten durchstöberten. "für Kunden ist es aber nicht einmal ersichtlich, ob die Berater bei der Bank angestellt oder selbstständige Handelsvertreter sind, die auf eigene Rechnung arbeiten", hieß es aus Haspa-Kreisen.
Datenschützer Caspar kündigte umgehend eine Untersuchung des Falles an. Die Haspa hätte jedenfalls gewarnt sein müssen: Nur Wochen vorher war die Postbank nach ähnlichen Vorwürfen zu 120.000 Euro Strafe verdonnert worden.
Ob das Verfahren mit dem Bußgeldbescheid jetzt abgeschlossen ist, ließ Caspar indes offen. Denn auch die Vertragsklauseln für mehr als 500.000 "Joker"-Konten sind seiner Meinung nach zweifelhaft. "Joker"-Kunden erhalten etwa einen Rabatt im Tierpark oder im Kino, wenn sie ihre Haspa-Bankkarten vorzeigen.
Die vielen zum größen Teil äußerst sensiblen Daten, die anfallen, lässt die Haspa über die Dienstleistungsfirma Affinion in den USA speichern, "gemeinsam mit weiteren, der Haspa vorliegenden Daten" - und laut Kontovertragsbedingungen auch auswerten. All das geschehe auf einem "angemessenen Datenschutzniveau", heißt es im Vertragstext vom August 2010. Ob die Vertragsklauseln überhaupt zulässig sind, will Caspar jetzt ebenfalls überprüfen.
Quelle: NFR Info gmbh v. 23.11.10
Die Hamburger Sparkasse nutzt nach Recherchen von NDR Info Erkenntnisse der Hirnforschung, um effektiver Versicherungen und Aktien verkaufen zu können. Sie teilt ihre Kunden ein in "Abenteurer", "Bewahrer" oder "Hedonisten" (streben nach Lust und Genuss). Grundlage dafür ist das Konzept einer Marketingagentur, die verkündet: "Der rationale Kunde ist tot." Verbraucherschützer sind entsetzt.
Sensus" nennt die Haspa das Konzept. Es geht darum, bei Kunden das Unterbewusstsein anzusprechen, ihnen Reize oder Ängste - Emotionen also - zu vermitteln und dann die vermeintlich richtigen Geldanlagen nahe zu legen: Sowohl für die Haspa als auch für die auf Provisionsbasis bezahlten Berater ein lohnenswerter Ansatz. Bankberater sollen private Bekanntschaften ausbeuten.
Doch dafür muss ein Haspa-Berater erst einmal wissen, was für Kundentypen er vor sich hat. Tatsächlich finden sich in weiteren Stammdaten von Haspa-Kunden verschiedene Typisierungen, vom "Bewahrer" über den "Genießer" bis zum "Performer". Sieben Kategorien gibt es laut dem Haspa-Konzept "Sensus": zu den genannten stoßen noch "Abenteurer", "Tolerante" und "Disziplinierte" und eben "Hedonisten".
Jeder Kundentyp muss - so heißt es in den NDR Info vorliegenden Schulungsunterlagen des Individualkundencenters der Haspa - auch unterschiedlich angesprochen werden. So heißt es beispielsweise, für den "Genießertyp" sei eine "weiche Wortwahl wichtig, um Phantasie und Genuss ins Spiel zu bringen". Beim "Bewahrertyp" dagegen sollten Bankberater - so wörtlich - "Ängste aufbauen", um bestimmte Versicherungsprodukte besser verkaufen zu können. Die Haspa-Berater werden sogar aufgefordert, private Bekanntschaften auszubeuten: "Befreundete Finanzberater haben leichtes Spiel!" Dem "Performer" soll der Haspa-Berater zum Beispiel folgendes Argument nahelegen: "Die Basis des Fonds sind die besten Unternehmen der Welt. Das bieten wir nur unseren Top-Kunden an.
Jede Kontobewegung, jedeÜberweisung enthält wertvolle Informationen über die Verbraucher. Ohne Zustimmung der Kunden ist eine Auswertung von Kontodaten jedoch nicht erlaubt - schon gar nicht, wenn die Verbraucher nicht wissen, was ein Kreditinstitut mit ihren Daten macht.
Quelle: NDR Info v. 04.11.10, 06.08 Uhr
Die Hamburger Sparkasse (Haspa) stellt nach eigenen Angaben die Nutzung von psychologischen Kundenprofilen mit sofortiger Wirkung ein. Die mit dem Neuromarketinginstrument "Sensus" gewonnenen Erkenntnisse würden in allen Systemen gelöscht, teilte die Bank am 04.11.10 mit. Die Haspa hat Sensus genutzt, um die Bedürfnisse ihrer Kunden noch besser zu verstehen", hieß es in einer Stellungnahme der Bank. Sie bedaure, "dass es in der öffentlichen Wahrnehmung zu Missverständnissen gekommen" sei. "
Quelle: NDR Info v. 04.11.10, 14.35 Uhr