Zu Beginn des Jahres 2010 konnten viele Kunden kein Bargeld am Geldautomaten abheben und beim Einkaufen nicht mit der Karte bezahlen. Grund soll ein Softwarefehler auf dem EMV-Chip sein, d.h. falsch programmiert. Rund 30 Millionen Karteninhaber sollen betroffen sein. Die Chips sollen von einem französischen Hersteller programmiert worden sein.
Die Karten ohne den Sicherheitschip funktionierten. Auch EC-Karten, die nach Juni 2009 ausgestellt waren, funktionierten einwandfrei.
Nicht betroffen waren die Kreditkarten der Kunden von Volks- und Raiffeisenbanken, deren EC-Karten funktionierten zum Teil aber auch nicht.
Die Karten konnten und können zum Teil auch noch nicht nicht in Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich und Spanien eingesetzt werden. Schlecht für den Urlauber, der im Vertrauen auf die Karten nicht genug Bargeld und auch keine Reiseschecks mitgenommen hatten. Wie die Hotelrechnung bezahlen? Hilft nur mit der Kreditkarte Bargeld am Schalter holen. Und wenn man keine hat oder sie zuhause gelassen hat?
Auch zum Juli 2010 ist der Datendefekt noch nicht behoben. Bei 40.000 EC-Karten der Saalesparkasse soll der Chip immer noch defekt sein
Der Sparkassen- und Giroverband rät, vor Auslandsreisen die Karte zu ernuern bzw. den EMV-Chip reparieren zu lassen.
So wird das Vertrauen in die Banken weiter erschüttert.
In Internetforen ist zu lesen, dass man Tesafilm auf den Chip kleben kann, so dass er nicht mehr lesbar ist. Die Lesegeräte im Geldautomaten und an den POS-Kassen greifen dann wieder auf den Magnetstreifen zu. Geld abheben und Bezahlen klappt wieder.
Wenn man Ihnen aber nachweisen kann, dass der Klebestreifen das Kassenterminal bzw. den Geldautomaten beschädigt hat, kann man Sie regresspflichtig machen.
Durch das Überkleben greifen Geldautomaten und Bezahlterminals wieder auf den Magnetstreifen zu, was Betrügern das Skimming ermöglicht,
Die Banken arbeiten erstmal mit einer Behelfslösung: Sie haben die Erfassung des Sicherheitschips an Kassenterminals und Geldautomaten abgeschaltet. Die Karten werden vom Magnetstreifen auf der Rückseite ausgelesen. Also in punkto Sicherheit wieder einen Schritt zurück.
Der Zentrale Kreditausschuss hat am 08.01.10 mitgeteilt, dass die Karten an Händlerterminals in Deutschland wieder fehlerfrei funktionieren.
Wer ins Ausland fährt, muss sich auch bei den EC-Karten nach wie vor auf Probleme einstellen und sollte sich vor Abreise bei seiner Bank erkundigen.
Die Banken beheben den Schaden auf unterschiedliche Weise. Ein einheitliches Konzept zur Fehlerbeseitigung gibt es nicht.
Die Postbank und die Volks-und Raiffeisenbanken haben Anfang Februar begonnen, den Chip beim Geldabheben im Geldautomaten reparieren. Entsprechende Geräte mit Reparatur-Funktion wollen Sparkassen, Privatbanken und Genossenschaftsbanken ab Februar in Betrieb nehmen.
Die Postbank machte den Anfang am 29.01.10: Nach der PIN-Eingabe am Geldautomat erfährt der Kunde, ob der Chip auf der Karte in Ordnung ist. Wenn nicht, korrigiert der Geldautomat den Fehler innerhalb weniger Sekunden. Die Reparaturfunktion an den Automaten soll bis Ende Juli angeboten werden.
Risiken beim Beschreiben des EMV-Chips
Der Deutschlandfunk hat einen Wissenschaftler zu diesem Thema befragt. Es wurden schon Trojaner in Betriebssystemen von Geldautomaten, die mit Windows XP arbeiten, gefunden. Wenn das Softwareupdate des Kartenchips über die Geldautomaten erfolgt, könnte theoretisch auch ein Virus aufgespielt werden, der sich über den Chip weiter verbreitet.
Wenn man eine EMV-Anwendung für Veränderungen freigeben kann, ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis auch der EMV-Chip von Kriminellen geknackt wird. Und tatsächlich haben Wissenschaftler bewiesen, dass der EMV-Chip ausgehebelt werden kann.
Die Sparkassen-Finanzgruppe will den Chip in ihren Filialen updaten und ihre Kunden über Ablauf und Zeitplan informieren.
Die Commerzbank will ihren Kunden eine kostenlose Kreditkarte geben, damit sie auch im Ausland wieder an Bargeld kommen.
Die Sparda-Bank tauscht die EC-Karten kostenlos aus. Bei den Kreditkarten der Sparda-Banken ist der Chip-Fehler demnach nicht aufgetreten.
Die Probleme am Geldautomaten werden im 1. Quartal des neuen Jahres zum großen Teil behoben sein. Bei den Händlern ist das Problem noch nicht gelöst. Betroffen sind rund 200.000 POS-Kartenterminals. Die Lesegeräte, die bereits den EMV-Chip gelesen hatten, wurden umprogrammiert, so dass sie wieder auf den Magnetstreifen zugriffen.
Sobald die alle defekten EMV-Chips repariert sind, müssen die Terminals jedoch rückkonfiguriert werden, damit sie wieder regulär arbeiten und auf den Chip zugreifen.
Denkbar wäre es, dass Haftungsprobleme auftreten.
Die Banken wollen die Gebühren erstatten, die ihren Kunden wegen der Panne mit EC- und Kreditkarten entstanden sind, z.B. Gebühr für Fremdautomaten. Und was ist den anderen Kosten, z.B. wenn sich jemand Geld ins Ausland schicken lassem musste? Oder Fahrkosten zur Bank, Fahrkosten zum Update?
Sie haben zwar keinen Rechtsanspruch auf Erstattung dieser Auslagen, aber eine kulante Bank, die Wert auf ihre Kunden legt, wird sich auch kulant zeigen. Wenn alle betroffene Kunden ihr gutes Recht einfordern, ist es für die Banken schwerer sich stur zu stellen.
Die Verbraucherzentrale NRW bietet Musterbriefe an:
In einem Forum der Verbraucherzentrale können Sie Ihre Erfahrungen schildern, wie die Kreditinstitute die Erstattung der Gebühren handhaben. Sollten im Forum gehäuft Beschwerden zu bestimmten Banken und Sparkassen auftauchen, wird die Verbraucherzentrale auf diese Institute zugehen.
Die Verbraucherzentrale wirft Sparkassen und Banken vor, neuerlich völlig ungenügend über einen Missstand zu informieren. So sollten die Banken wissen, von welchem Hersteller in welchem Zeitraum eine Karte geliefert wurde und ob demzufolge der Chip defekt ist. Aus Sicht der Verbraucherzentrale ist es die Pflicht der Institute, die Kunden sofort auf die Einschränkungen aufgrund der fehlerhaften Software hinzuweisen.
Dass die Banken wie schon bei der Kreditkartenpanne im November in Spanien Informationen wieder nur zögerlich preisgeben, kritisiert die Verbraucherzentrale als Unverschämtheit gegenüber den Kunden. Die Verbraucherzentrale fordert, auf Gebühren für das Abheben an fremden Geldautomaten verzichten. Außerdem darf den besonders schwer und längerfristig betroffenen Verbrauchern im Ausland keinerlei Schaden entstehen.(Quelle. Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V. v. 06.01.10)
Die Augsburger Allgemeine berichtete in ihrer Online-Ausgabe v. 09.01.2010, dass die Bundesverbraucherschutzministerin in einem Gastbeitrag für Bild am Sonntag Unverständnis darüber geäußert habe dass es zu Problemen überhaupt gekommensei. Spätestens seit der Jahrtausendwende würden Software-Experten das Datumsproblem mit Null kennen deshalb es ein Rätsel, warum der Systemfehler bei den Chipkontrollen nicht aufgefallen sei.